Ein kleiner Besetzungs-Clou: Jener Paolo, den die Heldin von „Romance“ in einer Bar kennen lernt und mit
dem sie dann heftigen Sex hat, wird gespielt von dem Pornostar Rocco Siffredi. Er habe lange Zeit mit keiner Frau mehr geschlafen, sagt er in Breillats Film: seit dem Tod seiner Freundin. Ironie, Melancholie und einen aufregenden Hauch Authentizität bringt er in „Romance“ ein.
Siffredi, der in mehr als 200 Pornos mitgewirkt hat, ist ein wahrer dream lover. 1,90 groß, blondes Haar und blaue Augen und dennoch ganz und gar Italiener. Er ist in jeder Hinsicht gut gebaut, was normal ist im Sex-Business. Aber er sieht auch wirklich verdammt gut aus. Und das ist bei den männlichen Darstellern im Hardcore-Bereich eher selten. Seinen nom de porn Siffredi (in Wirklichkeit heißt er Rocco Tano) hat er nach dem Rollennamen gewählt, den Alain Delon in „Borsalino“ hatte. Und mit Delon verbindet ihn tatsächlich einiges: die Schönheit der Zwiespältigkeit vor allem. So sagen einige über Siffredi, der immer mit Energie und Passion bei der Sache ist, er sei ein Gentleman. Andere wiederum, die mit ihm gearbeitet haben, behaupten, er sei ein Misogynist und Sadist. Die Ambiguität macht Siffredi natürlich nur noch erotischer. Dream lovers sind immer gefährlich.
Anfang der Neunziger hat er Amerika erobert: als Dandy, als kultivierter und perverser Europäer. Zu seinen amerikanischen Porno-Highlights gehören „Curse of the Catwoman“ und das vierstündige opus magnum „Face Dance“, in dem es eine atemberaubende Orgie gibt, die „Eyes Wide Shut“ blass aussehen lässt. Siffredi hat aber auch in Europa seine Porno-Arbeit fortgesetzt, in billigen stag-Filmen und teueren 35 mm-Werken, und zuletzt auch oft selbst Regie geführt und eine eigene Produktion geleitet. Siffredi ist einer der wenigen Hardcore-Darsteller, der nicht nur Frauen gefällt, sondern auch Männer richtig anmacht. Es gibt Fan-Kreise von bi- und homosexuellen Männern, die sich wöchentlich treffen, um sich Videos mit dem eleganten Prinzen des Pornos anzuschauen.
Quelle: Sueddeutsche
