Der frühere Pornodarsteller und heutige -produzent hat ein Buch geschrieben.
Sie haben Ihre Autobiografie veröffentlicht. Das Buch ist 23 Zentimeter lang – wie Ihr Penis. Wie verkauft es sich?
Rocco Siffredi: Nicht schlecht. Im ersten Monat sind in Frankreich und Italien etwa 40 000 Bücher über den Ladentisch. Ich habe es für meine Fans geschrieben. Es ist sehr ehrlich, finde ich.
Wie hat sich die Pornografie in den letzten zwanzig Jahren verändert?
Rocco Siffredi: Sie ist öffentlich geworden. Als wir angefangen haben, war noch alles sehr versteckt und heuchlerisch. Man machte Pornos, aber man durfte nicht wissen, wo. Heute stelle ich den Fernseher an, und der Videoclip ist ein halber Porno. Durch diese übermässige Präsenz von pornografischen Bildern hat sich auch ein neuer Typ Frau entwickelt, den ich abtörnend finde. Es gibt zu viele Frauen im Business, die sich ihre Brüste machen lassen. Das ist schade. Es gibt so viele kleine schöne, natürliche Brüste (formt diverse Formen mit seinen Händen).
Gibt es noch naturbelassene Darstellerinnen?
Rocco Siffredi: Immer weniger. Weil diese unaufgeregte Erotik auch im Alltag kaum noch zu finden ist. Ich weiss noch, wie ich als Junge in Ortona am Strand entlanglief und den schönen Frauen nachschaute. Das war erotisch!
Ihre Söhne sind jetzt acht und zwölf Jahre alt. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie Ihren Filmen begegnen könnten.
Rocco Siffredi: Meine Söhne wissen, was ich tue. Aber ich glaube, es interessiert sie nicht sehr. Das ist wie mit den Leuten, die in Paris wohnen und noch nie auf dem Eiffelturm waren. In erster Linie bin ich für sie doch einfach der Vater. Ich glaube, das erste Mal, dass sie realisiert haben, was ich tue, war bei einer Autogrammstunde vor ein paar Jahren. Mama, warum hat Papa so viele Freunde?, fragten sie Rosa, meine Frau. Sie haben dann gemerkt, dass ich die Freunde wegen dieser bestimmten Filme habe.
Vor vier Jahren haben Sie die Seiten gewechselt, vom Darsteller zum Regisseur. Glücklich dabei?
Rocco Siffredi: Zuerst war ich wie ein Süchtiger auf Entzug. Mir fehlte alles: die Aufmerksamkeit, das Bumsen, die Frauen. Ich musste regelmässig zu Prostituierten, weil mein Körper die schnelle Entwöhnung nicht ertrug. Erst danach entdeckte ich die Normalität, konnte mich der Familie widmen, machte viel Sport, den Helikopterschein. Ich liebe das Fliegen.
Sie sind in den Abruzzen in einer traditionell katholischen Gesellschaft aufgewachsen, waren Ministrant. Wie kann man in einem solchen Umfeld so viel sexuelles Begehren entwickeln?
Rocco Siffredi: Der Katholizismus ist eine hervorragende Schule des Begehrens. Aber ich selbst war nie katholisch. Das war meine Mutter Carmela. Da ich der älteste von sechs Söhnen war, wollte sie, dass ich Priester werde. Ich hatte nach meinem Comingout als Pornostar aber das Glück, dass meine Eltern akzeptierten, was ich tat.
Ihr Vater hat Sie später an Pornofilm-Preisverleihungen begleitet.
Ich sage Ihnen, mein Vater ist in der falschen Zeit geboren. Der hätte heute mehr Spass gehabt.
Um nochmals zu Ihrer Berufswahl zurückzukehren: Hätte es nicht Alternativen gegeben?
Rocco Siffredi: Das Wichtigste ist doch, einfach zu machen, was einem gefällt, oder? Und glauben Sie ja nicht, Pornos zu drehen sei nur geil. Wenn ich nicht arbeitete, kam auch kein Geld rein. Ich konnte es mir nicht leisten, krank zu sein, also hab ichs mit Fieber gemacht. Aber der Spass hat überwogen. Sehen Sie, ich habe Sex im Blut. Es gibt für mich keine Alternative. Bis heute – mit dem Unterschied, dass ich selbst produziere.
Warum ist eigentlich der Hintern in der Pornografie so wichtig?
Rocco Siffredi: Perversionen treiben die Neugier an. Beim normalen Beischlaf sehen die Leute, was sie kennen. Beim Hintern denken sie: Was sind das nur für Schweine, wie weit gehen die noch?
Genau, weit geht es denn noch?
Rocco Siffredi: Solange es diesen Leistungs-Lifestyle gibt, wird es weitergehen. Jeder will der Erste sein. Die Beste. Die Geilste. Zu mir kommen Mädchen, die mir das ganze Sexprogramm erzählen, das sie auf Lager haben, bevor ich ihnen überhaupt die Hand gereicht habe.
Ob sich Roccos Buch wirklich so gut verkauft weiß man nicht, die Roccos Pornos tun es auf alle Fälle.
